Der Kunde zahlt nicht - was nun?

Es sind Zeilen, die mich erreicht haben, die ich direkt zum Anlass nehme um über eine weitere wichtige Thematik der Teilselbständigkeit oder Selbständigkeit zu schreiben.


Jemand, der am Anfang steht sich eine Teilselbständigkeit aufzubauen, berichtete mir, dass er von einer flüchtigen Bekannten für einen Auftrag gebucht wurde. Zum vereinbarten Zeitpunkt erhielt er die Vorauszahlung nicht und setzte damit eine Frist, bei deren nicht einhalten er den Auftrag nicht ausführen würde. Die Frist wurde ebenfalls nicht eingehalten und er hatte das Gefühl, dass er das Geld nie sehen wird. Er teilte dies der Kundin mit welche mit Unverständnis reagierte und beinahe ausfällig wurde. Er entschied sich gegen den Auftrag und ging mit seiner Entscheidung auch das Risiko ein, dass sie nun üble Nachrede betreiben könnte.



" Hätte ich demnach viel früher das Geld im Voraus verlangen müssen und das vertraglich regeln? "


Wurde ich gefragt. Ich kann nur sagen: Hut ab davor, seinem Gefühl so zu vertrauen, sich selbst treu zu bleiben und klar und bestimmt den eigenen Weg zu gehen.


Natürlich ist auch mein Erfahrungsschatz diesbezüglich durch die letzten 9, bald 10 Jahren Selbständigkeit riesig. Zum Glück habe ich inzwischen aber nur noch ganz selten, meist maximal einmal pro Jahr, einen Vorfall.



Viele Beispiele zu diesem Thema lieferte die Zeit als ich begann Workshops anzubieten


Da die Durchführbarkeit aufgrund des Wetters nicht garantiert werden konnte fühlte ich mich mit Vorauszahlungen unwohl. Meine Workshops führe ich jeweils mit maximal 4 Teilnehmern durch.


Drei Jahre lang hatte ich bei jedem einzelnen Workshop kurzfristige Absagen. Fast immer sagten die Menschen, die verbindlich zugesagt hatten, erst zwei Tage vor dem Workshop ab, als ich das Mail schickte, dass das Wetter super ist und der Workshop stattfinde. Manchmal sogar 3 von 4 Teilnehmern. Die Begründungen - um nicht zu sagen Ausreden - waren vielfältig. Krankheit oder Notfall in der Familie war es nie sondern alles andere. Ich begann eine Stornogebühr von CHF 40 einzuführen. Wohlgemerkt erstatten die meisten Anbieter von Kursen ab einem bestimmten Zeitpunkt weit vor 2 Tagen vor Beginn gar nichts oder sehr wenig vom ganzen Kursgeld zurück. Meine Workshoppreise betrugen zu dieser Zeit CHF 250 pro Person.


Die Anzahl der Absagen blieb die gleiche bis ich mich dazu entschlossen hatte Workshops nur noch mit Vorauszahlung durch zu führen.


Das Erstaunliche?


Ich hatte ab diesem Zeitpunkt bis und mit heute keine einzige Absage mehr.




Ein Vorfall blieb mir besonders im Gedächtnis


Eine Kundin, die bereits an einem anderen Themenworkshop bei mir teilgenommen hatte, wollte unbedingt noch an einem anderen Workshop teilnehmen. Es war ihr so wichtig, dass ich sogar das Datum extra so ausgelegt hatte, dass sie dabei sein konnte.


Sie meldete sich verbindlich an und sagte dann einen Tag vorher per Email ab. Sie habe etwas anderes los und könne deshalb nicht teilnehmen. Ich schrieb ihren Platz sofort aus, es konnte aber niemand so kurzfristig. So schrieb ich ihr zurück, dass das schade sei und leider zu kurzfristig um noch Ersatz zu finden und dass ich ihr daher die CHF 40 in Rechnung stellen würde.

Darauf folgte eine unfreundliche Email darüber, wie unfair das von mir sei, dass sie schliesslich bereits Kundin von mir ist und sie sich von mir als Kundin schlecht behandelt fühle, dass sie mir sicher nicht Geld für etwas gebe von dem sie nichts von mir bekomme - in diesem Ton ging es ein paar Zeilen weiter.


Sie bezahlte natürlich die 40 Franken nicht und ich war zu wenig selbstbewusst um eine Betreibung einzuleiten. Klar, beim Thema Betreibung gehen die Meinungen auseinander was die Nützlichkeit angeht erst recht bei niedrigen Beträgen. Bei mir war es mehr die Angst vor Rufmord und der Wunsch nach Vertrauen auch ohne Verträge, die mich jahrelang daran hinderte mich durchzusetzen.



Es dauerte 7 Jahre bis ich mich zur ersten Betreibung überwinden konnte. Die Bemerkung einer Freundin war es schliesslich, die mir den nötigen Schubs gab:


„Weisst du, du kannst auch den Ruf haben, dass man alles mit dir machen kann“


Die Zeit der Angst vor Rufmord war vorbei.




Um zurück auf die Frage zu kommen, ob eine Vorauszahlung besser gewesen wäre


Es gibt keine pauschale Antwort darauf weil jeder Auftrag anders ist wie auch jeder Mensch, der ihn vergibt wie auch die eigene Menschenkenntnis oder eben das Bauchgefühl.


Ich hatte immer wieder den Anlauf genommen und mal keine Vorauszahlung genommen. Zu 90% fiel ich damit auf die Nase und endete in monatelangem Hinterherrennen (eine Betreibung ist für mich erst der allerletzte Weg, wenn keine Kommunikation mehr stattfindet).


Auch die meisten meiner liebgewonnenen Kundinnen zahlen im Voraus. Ausnahmen bilden an einer Hand abzählbare langjährige Kundinnen, die mich oft selbst erinnern, dass sie gerne die Rechnung hätten und ich das Geld dann auch innert 24h auf dem Konto habe.


Bei Shootings und Hochzeiten verlange ich keine Vorauszahlungen vor dem Termin, jedoch immer vor dem Versand der Bilder.


Weitere Möglichkeiten für diejenigen unter euch, die Lösungen suchen sind zum Beispiel Anzahlungen, gerade bei grösseren Aufträgen. Sie bedingen etwas Mehraufwand (zweimal Rechnung schreiben, Zahlung kontrollieren etc.) aber je nach Höhe des Auftrages relativiert sich dies. Im aktuellen Fall von einem Auftrag von CHF 1200 hätte eine Anzahlung von 50% dem Fotografen zumindest die Unkosten gedeckt und der Auftraggeberin die Möglichkeit gegeben sozusagen in Raten zu zahlen. Bei einem Ausbleiben der Restzahlung wäre das Lehrgeld nicht ganz so hoch gewesen.

Wer jetzt denkt: aber er hat ja nichts gemacht also auch nichts verloren. Als Teilselbständiger oder Selbständiger ist das etwas anders: im reservierten Zeitraum hätte er einen anderen Auftrag annehmen und damit seinen Unterhalt verdienen können. Für Selbständige bedeutet so ein Ausfall einen 100%igen Lohnausfall.


Ein Vertrag vermittelt dem Kunden mehr Verbindlichkeit - wirklich rechtlich wasserfest ist er aber meist nur, wenn er professionell aufgesetzt ist. Und auch dann, wenn jemand nicht zahlt, führt der Weg wieder über eine Betreibung, für die auch alles andere schriftliche eine genügende Grundlage ist.


Eine Vorauszahlung ist nichts böses und Ebanking sei Dank bedeutet es auch keine grosse Zeitverzögerung mehr.


Es können immer wieder mal solche Situationen entstehen. Ich versuche dann jeweils möglichst nicht zu lange daran fest zu halten sondern meinen Fokus so bald es geht wieder auf diejenigen zu richten, die meine Arbeit wertschätzen und ihnen meine Energie zu schenken anstatt sie an Umstände zu verschwenden, die ich nicht ändern kann.


Finde heraus, was für dich stimmig ist und vertraue auf dein Bauchgefühl.





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